Rebecca Hohlbein
Auf der HobbitCon wird Rebecca Hohlbein erstmals aus ihrem neuen, noch unveröffentlichten Roman Das Mädchen aus dem Meer lesen. Die Lesung findet Sonntag Abend (31.03.2012) im Saal Beethoven des Maritim Hotels statt.
Rebecca Hohlbein ist 1977 in Neuss geboren, wo sie noch heute mit ihren beiden Söhnen lebt. Gleich nach dem Fachabitur vor über zehn Jahren begann sie, sich als freischaffende Autorin zu verdienen – teilweise auch mit ihrem Vater Wolfgang Hohlbein, mit dem sie u.a. Das Blut der Templer II, die deutschsprachigen Filmbücher zu Fluch der Karibik und Die Templerin - Das Wasser des Lebens sowie Die Templerin – Das Testament Gottes verfasste.
Mit der mystisch angehauchten Indra-Triologie legte sie 2004 ihre ersten eigenen Jugendbücher vor, auch zwei Bände der erfolgreichen Wolf-Gäng sowie zahlreiche Kurzgeschichten in diversen Anthologien stammen aus ihrer Feder.

„Zum Meermädchen haben mich zweierlei Dinge inspiriert:“, erklärt sie. „Ein Haufen wirklich guter, bislang unbantworteter Fragen zur Menschheitsgeschichte – und dieses dumme Ding mit der Liebe.“
Für die Gäste der HobbitCon 2013 wird sie erstmals aus ihrem neuen, noch unveröffentlichten Roman lesen.
"Das Mädchen aus dem Meer ist die Geschichte eines Fischerjungen, der zum Sterben aufs Meer hinausfährt und eine vermeintliche Göttin aus den Fluten fischt, die, sobald sie zu reden beginnt, keine Sekunde mehr die Klappe hält", fasst die Autorin das Wesentliche zusammen. Doch tatsächlich ist es noch viel mehr: Mit viel Fantasie, Gefühl und einer erfrischenden Portion Humor schildert Rebecca Hohlbein die abenteuerliche Reise zweier Menschen aus grundsätzlich unterschiedlichen Kulturen, die auf den ersten Blick absolut nichts miteinander gemein haben, erstaunlich oft aber auch ganz genau gleich sind. Vor allem, wenn es um die wirklich wichtigen Dinge im Leben geht...
Leseprobe Das Mädchen aus dem Meer
Geräuschvoll, aber lächelnd, zog Chita die Nase hoch. „Bist du auch ein Medizinmann?“, erkundigte sie sich. „Oder möchtest du einer werden? Bist du so etwas wie ein Novize?“
Froh lachte auf. Sie stellte Fragen – und vertrieb damit auch den letzten Zweifel an ihrer Menschlichkeit aus seinen Gedanken.
„Der größte von allen!“, behauptete er mit einer ausholenden Geste und zwinkerte ihr schelmisch zu. „Du sitzt auf einem Sack voller magischer Fischkadaver, mit denen man Krankheiten heilen und Götter herbeibeschwören kann... Nein“, winkte er ab, als Chita zweifelnd auf den stinkenden Sack hinabblickte. „Ich bin nur ein einfacher Fischer. Aber das Herbeibeschwören von Göttern hat ja trotzdem ganz gut geklappt.“ Er grinste schief. „Mein Name ist übrigens Froh.“
„Dein Name freut sich?“
„Nein. Man nennt mich Froh“, verbesserte Froh sie. „Selbstverständlich habe ich auch einen richtigen Namen. Aber der ist so lang und grässlich, dass ich ihn mir selbst kaum merken kann. Meine Mutter jedenfalls ruft mich Froh, seit ich denken kann. Bei uns in der Familie ist es Sitte, die Kinder in ihrem dritten Lebensjahr mit einem zusätzlichen Namen zu beehren, der sie beschreibt und es den Eltern erlaubt, ihn kurz und knapp an Kommandos und Flüche anzuhängen. Weil sich die Kinder am Anfang lange an den neuen Namen gewöhnen müssen, hören sie ihn dann auch entsprechend häufig am Ende eines Fluchs...“ Er lachte. Es tat so gut, die eigene Stimme wieder zu hören. Und die Unbekümmertheit, die er sich für einen Moment erlaubte, schien ansteckende Wirkung zu haben: Als würde sein Lachen eine Handvoll Schmerz, Verwirrung und Furcht von den Schultern der Fremden nehmen, die wahrhaft Schreckliches erlebt haben musste, dass er sie so weit hier draußen, fast schon am Ende der Welt und ganz allein in den Fluten aufgefunden hatte, lächelte sie sachte.
„Das klingt kaum weniger kompliziert als bei mir zu Hause“, bemerkte sie.
„Wo ist dein Zuhause?“, wollte Froh wissen. „Wie bist du hierhergekommen? Ich habe dein Boot nicht gesehen. Ist es gekentert? Oder bist du doch vom Himmel gefallen? Ich meine: Du siehst wirklich aus wie eine der Gottheiten, von denen der Medizinmann so oft spricht und denen meine Familie mehr Fische opfert, als ein ausgewachsener Wal fressen kann. Wie viele deine Art gibt es da, wo du herkommst? Und seid ihr auch Fischer?“
Chita setzte sich umständlich auf, wrang sich das Salzwasser aus dem langen, goldenen Haar und sah nachdenklich an ihm vorbei auf die unendlichen Weiten des Meeres.
„Wale fressen keine Fische“, sagte sie schließlich. „Und ich komme aus Cypria.“



